Nagold – Gurtweberei Schickhardt meldet Insolvenz an
Ebhausen – Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise haben mit der Band- und Gurtweberei Schickhardt nun einen der größten Arbeitgeber Ebhausens in Zahlungsnöte gebracht. Das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet, hofft aber auf die Fortführung des Betriebs, von dem 60 Arbeitsplätze abhängen.
Die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten der Schickhardt GmbH kamen nicht völlig überraschend. Sie hatten sich in den vergangenen Wochen und Monaten abgezeichnet. So hat das tarifgebundene Unternehmen erst kürzlich mit der Gewerkschaft IG Metall eine Vereinbarung getroffen, weil es Urlaubs- und Weihnachtsgeld vorerst nicht zahlen konnte. Im Gegenzug sollten die Mitarbeiter nach Gewerkschaftsangaben eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2010 erhalten.
Situation nur eine bestimmte Zeit lang standhalten
Die Firma Schickhardt musste nach Angaben von Geschäftsführer Hans-Dieter Schirmer 2009 einen Einbruch beim Umsatz von rund 25 Prozent hinnehmen. Der liege in normalen Jahren bei rund fünf Millionen Euro. »Dies ist durch die Wirtschaftskrise bedingt«, sagte Schirmer. Ein mittelständisches Unternehmen könne dieser Situation nur eine bestimmte Zeit lang standhalten: »Dann ist irgendwann mal das Geld für den laufenden Betrieb weg.«
Schickhardt ist ein Unternehmen der Textilbranche und stellt Gurte für unterschiedlichste Einsatzbereiche her – angefangen von Gurten für Rollläden, über Helme bis hin zum Einsatz im Bereich Maschinen und Anlagenbau.
Die Anmeldung der Insolvenz bezeichnete Schirmer als »Flucht nach vorn«. Ziel sei es, das Unternehmen fortzuführen, bekräftigte der Geschäftsführer. Die derzeitige Auftragslage sei zufriedenstellend, die Entwicklung verhalten positiv. Das letzte Wort habe hier aber freilich der Insolvenzverwalter. Das Amtsgericht Tübingen hat Rechtsanwalt Jürgen Sulz aus Reutlingen zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Sulz war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er wird am morgigen Freitag zu einer Betriebsversammlung in das Ebhauser Unternehmen kommen, um die Mitarbeiter über die aktuelle Situation und die Zukunftsaussichten zu informieren.
Auch die IG Metall ist aktiv geworden. Die Gewerkschaftssekretärin Violetta Garzanti hat sich gestern mit dem Betriebsrat von Schickhardt beraten, wie die Interessen der Beschäftigten am besten wahrgenommen werden können – unter anderem auch wegen der offenstehenden Sonderleistungen. Mehr als die Hälfte der Schickhardt-Mitarbeiter sind laut Garzanti gewerkschaftlich organisiert.
Als »schweren Schlag« bezeichnete Ebhausens Bürgermeister Volker Schuler die Nachricht von der Schickhardt-Insolvenz. Die Firma sei ein wichtiger Arbeitgeber in der Gemeinde. Das treffe einen doppelt hart, zumal es in Ebhausen nicht so viele Firmen gebe. »Ich hoffe, dass das Unternehmen fortgeführt werden kann«, sagte Schuler.

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